Druckansicht - Sonntag 25. Juni 2017
Übersicht
Kirchliche Umweltarbeit in Österreich

 

Wer arbeitet in der kirchlichen Umweltarbeit? Kontakt zu allen Umweltbeauftragten

Seit wann gibt es kirchliche Umweltarbeit in Österreich?

Welche Arbeitsweise und inhaltliche Schwerpunkte haben die im Jahr 2000 zur Konferenz der Umweltbeauftragten zusammengeschlossenen evang. und kath.  Umweltbeauftragten? 

 



I.  Die Anfänge: In Linz beginnt’s!

 

1982: Dr. Edeltraud Buchberger ist die Pionierin der kirchlichen Umweltarbeit in Österreich. Sie gründet bereits Anfang der 80er-Jahre den ARBEITSKREIS ÖKOLOGIE im Pastoralamt der Diözese Linz.

  • Herausgabe der Schriftenreihe „Mensch und Umwelt“
  • Erste Schulung von sogenannten Umwelt-Pfarrgemeinderäten

 

1991: Arbeitsstelle für Umweltfragen in der Diözese Linz

 

1992: Isolde Schönstein gründet in Wien den Verein „ARGE Schöpfungsverantwortung“. In einer Phase, als es in Österreich erst in einer Diözese eine Arbeitsstelle für Umweltfragen gab, beschleunigte die ARGE Schöpfungsverantwortung durch ihre Öffentlichkeitsarbeit die innerkirchliche Sensibilisierung für dieses Thema. Frau Schönstein war von 1996-2000 mit der Koordination der kirchlichen Umweltarbeit in Österreich durch die österreichische Bischofskonferenz beauftragt. www.argeschoepfung.at

 

II. Schöpfungsverantwortung in der Bischofskonferenz: Seit 1994 ein eigenes Referat

 

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1994: Bischof Paul Iby wurde zum ersten "Referatsbischof für Umweltfragen" durch die Bischofskonferenz eingesetzt. Nach Bischof Andreas Laun wurde 2003 der Diözesanbischof von Gurk-Klagenfurt, Dr. Alois Schwarz, zuständig für den Themenbereich „Umwelt und Schöpfung“.

 

 

 Bischof Dr. Alois Schwarz

 

(Foto: Pressestelle der Diözese Gurk-Klagenfurt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

III. Konferenz der Umweltbeauftragten: „Was alle gemeinsam angeht…

 

…können nur alle gemeinsam lösen“ (Klaus Töpfer, ehem. dt. Umweltminister). Deswegen haben sich die diözesanen Umweltbeauftragten im Jahr 2000 zu einer Konferenz zusammengeschlossen, die sich zwei Mal jährlich zu Austausch und Planung trifft. Einen Überblick über alle bisherigen und jetzigen katholischen diözesanen Umweltbeauftragten finden Sie hier. Wir arbeiten in ökumenischer Zusammenarbeit hauptsächlich mit der Evangelischen Kirche A.B. Aktuelle Sprecherin: Mag. Hemma Opis-Pieber, Diözese Graz-Seckau. Liste aller Umweltbeauftragten    

 

 

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Umweltbeauftragte der katholischen und evangelischen Kirche Österreichs bei der Frühjahrskonferenz 2016 in Illmitz/ Burgenland (Foto: Werner Schwarz)

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

IV. Auftrag, Inhalte und Projekte

 

IV.1. Vom Propheten zum Profi

Nach der Pionierphase in den 80er Jahren erfuhr die kirchliche Umweltbewegung ab Mitte der 90er Jahre eine strukturelle Ausdifferenzierung und Professionalisierung. Kirchenleitungen, christliche Organisationen und kirchliche Basisgruppen entwickelten gemeinsame Strategien und setzen diese auf ihren Ebenen im kirchlichen Alltag um.

Vor allem nach der ökumenischen Versammlung in Basel 1989 haben sich in vielen Pfarr- und Kirchengemeinden Umweltgruppen gebildet, denen es gelungen ist die Themen Klimawandel, erneuerbare Energie, biologische Landwirtschaft und den Schutz des Regenwaldes in Vorträgen, Artikeln und Gottesdiensten als evangeliumsgemäßes Anliegen einzubringen.

Schöpfungsverantwortung sei keine rein profane Angelegenheit, sondern ein Auftrag, der mit dem Willen Gottes zu tun hat. Umweltschutz ist kein Hobby einiger weniger, sondern eine „Dienstverpflichtung“ für jeden Christen, so die theologische und pastorale Kurzformel in vielen Predigten aus dieser Zeit.

 

Es entwickelte sich die Struktur der kirchlichen Umweltbeauftragten, die von Anfang an eine ökumenische Zielrichtung verfolgte und mit dem Ökumenischen Sozialwort von 2003 und einem eigenem Kapitel über nachhaltige Entwicklung Rückendeckung durch die Bischofskonferenz und Synoden erhielt. Zwischen Bregenz und Eisenstadt wurde ein Netzwerk von Umweltpfarrgemeinderäten aufgebaut, die auf lokaler Ebene Schöpfungsverantwortung zum Thema machen. Nachhaltigkeit wird nun nicht mehr als rein gesellschaftspolitische Aufgabe, sondern als zutiefst pastorale Aufgabe verstanden. Die permanente Vernetzung mit Umwelt-NGO´s, tagesaktuelle Websites und internationale Vernetzung sind heute die Grundvoraussetzung für erfolgreiches Arbeiten eines kirchlichen Umweltbeauftragten.

 

Den Kulturwandel schlechthin hat Papst Franziskus 2015 mit seiner Enzyklika LAUDATO SI' eingeleitet. In ihr verbindet er Ökologie und Soziales auf beeindruckende Weise und fordert eine „ökologische Umkehr“ in Sorge für unser gemeinsames Haus. Für die innerkirchliche Umweltarbeit gab es dadurch starken „Rückenwind“, sowohl im spirituell-theologischen Bereich, als auch in ganz konkreten Projekten (siehe Punkt IV.7.). Zur Enzyklika

 

IV.2. EMAS: Kirchliches Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement

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Um den kirchlichen Appellen in der Praxis mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen und kirchliches Basisengagement nicht dem Zufall zu überlassen, wurde im Jahr 2000 das ökumenische Projekt „Kirchliches Umweltmanagement“ (Grüner Hahn/Grüner Gockel) gegründet. Es übersetzt die ethischen Impulse des Schöpfungsglaubens in den Alltag der Verwaltung und will durch das gute Beispiel Bewusstsein bilden. Schöpfungsleitbilder garantieren die dauerhafte Verankerung im kirchlichen Alltag und die Überprüfung der selbst gesetzten Ziele. Durch die Übernahme europäischer Umweltnormen (EMAS) signalisieren die teilnehmenden Einrichtungen, dass auch kirchliche Einrichtungen in der Lage sind, strenge Umweltvorschriften einhalten.www.schoepfung.at/emas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IV.3. Zukunft einkaufen

Die Erkenntnis, dass jeder Euro, der ausgegeben wird, darüber entscheidet, ob Kohlekraftwerke entstehen oder Windräder, ob Wälder abgeholzt oder erhalten werden, ob Produzenten einen fairen Preis für ihren Tee erhalten oder nicht, hat in den deutschen Diözesen zum Projekt "Zukunft einkaufen" geführt. Ziel des Projektes ist es, dass die Kirchen durch systematische Umstellung auf ökofairen Konsum ein sichtbares Zeichen für die Bewahrung der Schöpfung setzen und eine ökologische und sozial verträgliche Produktion das ausschlaggebende Kriterium in der Beschaffung wird. Deshalb heißt die Leitlinie des Projektes "Weniger einkaufen, aber dafür besser". Ein sparsamer Verbrauch setzt Mittel frei, mit denen die Mehrkosten für ökofaire Produkte abgedeckt werden können. www.zukunft-einkaufen.de

 

IV.4. Schöpfungstag und Schöpfungszeit

Die Idee eines Tages für die Schöpfung kam bereits 1989 vom Ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel. Konkret wurde vorgeschlagen, den 1. September, mit dem das orthodoxe Kirchenjahr beginnt, zum europäischen Schöpfungstag zu erklären. Der Schöpfungstag wurde auf der Zweiten Ökumenischen Europäischen Versammlung in Graz (1997) den christlichen Kirchen zur jährlich wiederkehrenden Praxis empfohlen: "Wir empfehlen den Kirchen, die Bewahrung der Schöpfung als Bestandteil des kirchlichen Lebens auf allen seinen Stufen zu betrachten und zu fördern. Das könnte auch durch einen gemeinsamen Tag der Schöpfung geschehen". Zugleich eröffnet der Schöpfungstag die bis zum 4. Oktober, dem Fest des Hl. Franziskus, dauernde Schöpfungszeit.

Papst Franziskus hat 2015 den 1. September als „Weltgebetstag für die Schöpfung“ festgelegt.

www.schoepfung.at/schoepfungszeit

 

 

IV.5. Autofasten

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Ob die nationalen Nachhaltigkeitsstrategien und internationalen Programme gegen den Klimawandel erfolgreich sein werden, hängt wesentlich von der Lösung des Verkehrsproblems ab. Dabei spielt die notwendige Veränderung des individuellen Mobilitätsverhaltens eine große Rolle. Die Aktion „Autofasten“, die in Teilen Deutschlands, in Luxemburg, Liechtenstein und Österreich durchgeführt wird, bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, 40 Tage oder länger auf das eigene Auto total oder teilweise zu verzichten. Im 12. Auotfastenjahr sparten die rund 17.000  österreichischen AutofasterInnen im Jahr 2017 unglaubliche 10,1 Millionen Autokilometer ein und somit auch rund 2.008 Tonnen CO2. www.autofasten.at

 

 

IV.6. Spirituelle Öko-Bilanz

Nicht in Zahlen zu fassen ist die Anzahl der Menschen, die sich aus dem Glauben heraus bemühen, zukunftsverträglich zu leben. Die Bewahrung der Schöpfung ist aus dem kirchlichen Alltag nicht mehr wegzudenken und durchzieht wie ein roter Faden Kirchengemeinden, Klöster und Basisgruppen.

Ganz selbstverständlich werden an Sonntagen Bitten und Gebete für den Erhalt der Biosphäre ausgesprochen und wird bei Kreuzwegandachten auch des Leides der nichtmenschlichen Kreatur gedacht. Die Beteiligung an Umweltprojekten und die Unterstützung von Bürgerinitiativen sind zum Erkennungsmerkmal kirchlicher Einrichtungen geworden. Bildungshäuser und Klöster haben sich zu Orten entwickelt, wo nachhaltiger Entwicklung gelehrt und gelebt wird.

Auf der anderen Seite gibt es auf struktureller Ebene aber immer noch eine Vielzahl an Entscheidungen, die nicht nachhaltig sind. Das liegt daran, dass Christen und Kirche in die derzeit vorherrschenden Strukturen von Wirtschaft und Gesellschaft sehr stark eingebunden sind. Tendenziell wird noch in vielen Pfarren und kirchlichen Institutionen eher auf den möglichst niedrigsten Preis geachtet. Andere Kriterien – wie umweltgerechte Produktion und faire Löhne für die Produzenten – werden genauso wie in unserer gesamten Gesellschaft und im Lebensstil der meisten von uns hintangestellt. Aber die biblische Verheißung des Friedens unter den Völkern (Jesaja 2) ist heute nur vorstellbar in einer Welt, die auch den künftigen Generationen eine ökologisch tragfähige Welt hinterlässt.

 

IV.7. Beschlüsse der österreichischen Bischofskonferenz

Motiviert durch die Ökologie-Enzyklika LAUDATO SI‘ und gut aufbereitet durch das Experten-Hearing des KAÖ-Zukunftsforums vom Mai 2015, beschloss die Österreichische Bischofskonferenz am 11. November 2015 ambitionierte Ziele. Für alle Diözesen soll es Leitlinien zur Nachhaltigkeit geben, die als „Kompass und Korrektiv“ die von Papst Franziskus geforderte „ökologische Umkehr“ begleiten sollen. Ebenso soll die Umstellung auf eine ökosoziale Beschaffung (vom Billigst- zum Bestbieter) sowie ein effizienter und reduzierter Energieverbrauch umgesetzt werden. Der verbleibende Bedarf soll aus erneuerbaren Energie gedeckt werden. Mit der Begleitung der Umsetzung dieser Ziele sind die diözesanen Umweltbeauftragten betraut. Beschlüsse, mehr dazu hier.

 

V. Wer, wo, wann – Diözesane Umweltbeauftragte in Österreich

Alle aktuellen Daten, auch der evangelischen KollegInnen, finden Sie hier und auf den Diözesanseiten dieser Website.  

  

F.d. I.v.: Mag. Hemma Opis-Pieber, Mag. Ernst Sandriesser, Graz 2016; Aktualisierung 2017

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© 2017 Konferenz der Umweltbeauftragten der Katholischen & Evangelischen Kirche Österreichs
© 2016 Konferenz der Umweltbeauftragten der Katholischen Kirche Österreichs