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Caritas und E-Control zeigen Auswege aus der Energiearmut
(15.05.2009) Das Beratungsprojekt von Caritas und E-Control mit sozial schwachen Haushalten zeigte ein Energiesparpotenzial von bis zu 25 Prozent auf.


Haushalte, die ihre Energiekosten nicht mehr tragen konnten, wurde so geholfen und alte Haushaltsgeräte gegen energiesparende ausgetauscht. Die Caritas der Erzdiözese Wien und die Energie-Aufsichtsbehörde E-Control fordern mehr Hilfe für von Armut betroffne Haushalte, die ihre Energiekosten nicht mehr tragen können. Dass Energiesparen auch für solche Haushalte grundsätzlich möglich ist, zeigt das Ergebnis eines Pilotprojekts, das von der Caritas, E-Control und dem Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) durchgeführt wurde.

 

58 von der Caritas in Wien und Niederösterreich nominierte sozial schwache Haushalte wurden von Energieberatern besucht, die einfach umzusetzende, konkrete Tipps zum Energiesparen gaben. Im Bedarfsfall wurden auch alte Haushaltsgeräte gegen neue energiesparende ausgetauscht. Damit können die Haushalte aus eigener Kraft bis zu 25 Prozent der Energiekosten sparen.

 

Maßnahmen gefordert

 

Zusätzlich brauche es aber neue Initiativen bei der thermischen Sanierung von Wohnungen und humanere Lösungen bei Zahlungsverzug, erklärten Caritas-Generalsekretär Werner Binnenstein-Bachstein und "E-Control"-Geschäftsführer Walter Boltz bei einer Pressekonferenz am Freitag, 15. Mai 2009, in Wien.

Binnenstein-Bachstein erläuterte die Grundproblematik: 214.000 Menschen in Österreich können laut aktuellem Armutsbericht der Statistik Austria ihre Wohnung nicht angemessen heizen. Ärmere Haushalte müssten im Verhältnis meist mehr Geld für Energie ausgeben als Menschen mit höheren Einkommen. Einer der Gründe dafür liege darin, dass die Wohnung wegen der Kinder den ganzen Tag lang warm gehalten werden muss oder dass Menschen wegen Arbeitslosigkeit, Krankheit oder einer Behinderung generell mehr Zeit zu Hause verbringen. Zudem lebten viele ärmere Menschen in desolaten Wohnungen mit undichten Fenstern und schlecht isolierten Wänden. Fehlendes Geld für energiesparende Geräte verteuere erst recht die Energiekosten.

 

 

"Es ist ein Teufelskreis"

Ein zusätzlicher Punkt in diesem Teufelskreis: Haushalte in einer finanziell angespannten Situation werden durch Nebengebühren wie Mahnungen, Erlagscheinzahlungen oder Ab- und Anschaltgebühren bei Zahlungsverzug zusätzlich belastet. "Manche zahlen 30 bis 40 Prozent mehr pro Kilowattstunde als ein wohlhabender Haushalt, der eben tendenziell nie abgeschaltet wird, weil er immer die Rechung zahlen kann", erklärte "E-Control"-Geschäftsführer Boltz.

Auf das Einsparungspotenzial durch neue Elektrogeräte machte Manfred Müllner vom Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie aufmerksam. So verbrauche ein Kühlschrank der Klasse "A++" um 80 Prozent weniger Energie als ein altes Gerät der Klasse E.

 

 

Soziale Verantwortung wahrnehmen

Binnenstein-Bachstein und Boltz appellierten an Politik, Gemeinden und Wohnbauträger, besonders die Sanierung von Wohnungen von sozial schwachen Haushalten zu forcieren. Notwendig seien auch Tausch- und Sanierungsprogramme von Heizanlagen. Aber auch die Energie-Wirtschaft sei gefordert, ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen. Beispielsweise durch mehr Beratung, bessere Vorwarnsysteme oder Nachsicht bei Gebühren für Mahnungen oder An- und Abschaltungen. Boltz sprach sich für ein "Recht auf Ratenzahlung" aus und hinterfragte die unregelmäßige Praxis mancher Energieversorger bei der Ablesung von Strom- und Gaszählern. Diese würden in manchen Fällen nur alle zwei bis drei Jahre abgelesen.

(stephanscom.at)

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