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Vatikan steigt in Solar-Stromerzeugung ein
unknown(4.12.08) Der Vatikan hat am 26. November 2008 seine neue Solarstrom-Anlage in Betrieb genommen. Die 2.400 in Sachsen gefertigten Photovoltaik-Module waren in den vergangenen Wochen von einem Bonner Unternehmen auf dem Dach der Audienzhalle montiert worden. Kardinal Giovanni Lajolo, der für die Verwaltung des "Staates der Vatikanstadt" zuständig ist, bezeichnete den Einsatz erneuerbarer Energien als Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung und als ethisch verpflichtend. 


Zugleich sprach er bei dem Festakt von konkreten Plänen des Vatikans, ein Solarkraftwerk auf dem Gebiet der Sendeanlagen von "Radio Vatikan" in Santa Maria di Galeria im Norden Roms zu errichten. Damit entstünde eines der größten Photovoltaik-Kraftwerke weltweit.

Das vatikanische Pilotprojekt auf dem fußballfeldgroßen Dach "Aula Paolo VI" soll künftig bis zu 300 Megawattstunden jährlich erzeugen; das entspricht dem Bedarf von 100 Haushalten oder 20 Prozent dessen, was der Vatikanstaat an Strom verbraucht. Die umweltfreundlich erzeugte Energie soll jährlich 225 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid einsparen. Sponsor der Anlage ist die Bonner Solarfirma "SolarWorld".


Mit der Initiative wolle man einen Beitrag zu ökologischer Nachhaltigkeit leisten, so Lajolo. Die wenigsten Teilnehmer der Generalaudienz ahnten etwas von der Revolution, die sich über ihren Köpfen abspielte. Während Papst Benedikt XVI. sprach, ging auf dem Dach der Halle die erste päpstliche Solarstrom-Anlage in Betrieb. Bis zum Mittag hatten die 2.400 Photovoltaik-Module bereits 50 Liter Heizöl eingespart, wie die Anzeigetafel im Foyer vermeldete.


Vor 40 Jahren, als die «Aula Paolo VI» gebaut wurde, dachte noch niemand an ökologischen Strom. Der italienische Stararchitekt Pier Luigi Nervi ließ damals Reihen schräggestellter Betonplatten auf das fußballfeldgroße, wellenförmig geschwungene Dach setzen. Sie sollten verhindern, dass sich der Bau unter der römischen Sonne zu sehr aufheizt. Mit der Zeit war der Beton sanierungsbedürftig geworden, und jemand kam auf die Idee, die Platten nicht nur als Schattenspender, sondern auch zur Stromgewinnung zu nutzen.


Ein bisschen sieht man sich im Vatikan jetzt als ökologische Avantgarde. Bei seinem neu entdeckten Öko-Engagement hat der Vatikan kräftige Helfer: Die Photovoltaik-Anlage, deren Wert Branchenkenner mit 1,5 Millionen Euro beziffern, ist ein Geschenk des Herstellers.


Ähnlich verhielt es sich auch mit einem anderen ökologischen Vorzeigeprojekt, einem Wäldchen in Ungarn: Dessen Bäume saugen so viel vom Klimakiller Kohlendioxid aus der Luft, dass der Vatikan dadurch zum ersten CO2-neutralen Staat der Welt wird. Für die 15 Hektar musste der Papst allerdings keinen Cent zahlen. Sie wurden von einer Firma gestiftet, die unter anderem mit CO2-Zertifikaten handelt.


Für "SolarWorld"-Chef Frank Asbeck war der Auftrag im Vatikan eine prestigereiche Sache. Pressefotos zeigen das Meer der Solar-Module vor der Kuppel des Petersdoms. "SolarWorld" zählt sich zu den Marktführern weltweit. Asbeck unterstrich auch den entwicklungspolitischen Anspruch, den seine Firma vertritt: Es gehe um die "Bewahrung der Schöpfung" und die Chance auf gerechte Steigerung des Wohlstands.

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