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Kirche will "Klima fair bessern"

unknown(3.12.08) Ein Geläut von fünf Glocken des Stephansdoms um "5 vor 12" bildete am Mittwoch den akustischen Auftakt zur internationalen Kampagne "Armut und Klimagerechtigkeit", mit der insgesamt 24 kirchliche Organisationen das "Klima fair bessern" wollen. Der Wiener Dompfarrer Anton Faber erklärte bei einer Pressekonferenz unmittelbar davor, die katholische Kirche wolle sich als "wesentlicher Akteur" beim Thema Klimawandel positionieren und ihr bisheriges Engagement in diesem    

                               Bereich weiter verstärken.

                               Homepage: www.klimafairbessern.koo.at



Die Dringlichkeit des Anliegens unterstrich Sabine Wartha, die Leiterin der Caritas-Katastrophenhilfe: Im Vorjahr habe es mit 414 Naturkatastrophen doppelt so viele wie noch vor 20 Jahren gegeben. Weitere Teilnehmer an der Pressekonferenz waren Josefa Molitor-Ruckenbauer von der "Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Internationale Entwicklung und Mission" (KOO), die die Klima-Kampagne in Österreich koordiniert, sowie der aus Unganda stammende Paul Batezee als Vertreter der Dreikönigsaktion.

 

Dompfarrer Faber betonte, dass "die Problematik des Klimawandels nicht länger ignoriert werden" dürfe. Die Kirche suche bereits jetzt mit einer Vielzahl von Projekten, die Aufmerksamkeit für den Klimaschutz in ihren eigenen Reihen und darüber hinaus zu wecken. Faber wies auf die Sonnenkollektoren und Photovoltaik-Anlagen auf den kirchlichen Häusern rund um den Stephansplatz hin, berichtete vom jüngst gestarteten ersten Kurs für "kirchliches Umweltmanagement" und würdigte die Bemühungen von insgesamt 400 Umwelt-Pfarrgemeinderäten allein in der Erzdiözese Wien. Dass aktiver Klimaschutz bereits von vielen Österreichern gelebt wird, beweise das große Interesse an der jährlichen Aktion "Autofasten", so Faber. Freilich müsste das Engagement noch deutlich verstärkt werden. Der Klimawandel sei ein Problem, "das nur bewältigt werden kann, wenn alle Menschen und Gesellschaften dieser Erde gemeinsam an der Lösung arbeiten", betonte der Dompfarrer.

 

Caritas-Mitarbeiterin Sabine Wartha warnte vor den katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels gerade auf die ohnehin schon armen Länder. Werde nicht ambitioniert gegengesteuert, würden bis zum Jahr 2080 weitere 600 Millionen Menschen von Hunger bedroht - zusätzlich zu der Milliarde, die jetzt schon hungern müssten. In Asien seien Millionen vom Ansteigen des Meeresspiegels bedroht. Im vietnamesischen Mekong-Delta bestehe die Gefahr, dass in 20 Jahren die Hälfte der Landfläche auf Grund von Überschwemmungen und Versalzung nicht mehr genutzt werden kann. In afrikanischen Ländern wie Mali oder Kenia wiederum sei fortschreitende Trockenheit das Hauptproblem, sagte Wartha. Die Caritas versuche mit Schulungen in Katastrophenvorsorge, Wirbelsturm-Schutzbauten etwa in Bangladesch, der Errichtung von Wasserauffangbecken oder der Förderung von Trockenfeldbau die Folgen abzumildern.

 

"Österreichs Politik tut zu wenig"

 

Heftige Kritik an der österreichischen Klimapolitik äußerte Koordinatorin Josefa Molitor-Ruckenbauer. Sie forderte von der neuen Regierung eine "Umkehr zur nachhaltigen Wirtschaftsweise". Der Rechnungshof habe darauf hingewiesen, dass Österreich die Kyoto-Klimaschutz-Ziele zur Verringerung der CO2-Emissionen klar verfehlt: Bis 2013 sollte eine Reduktion um 13 Prozent erzielt werden, aktueller Stand sei aber ein Plus von 17 Prozent, kritisierte Molitor-Ruckenbauer. Österreich müsse vom behaupteten zum "wirklichen Umwelt-Vorzeigeland in Sachen Klimaschutz werden".

 

Vom neuen Umweltminister Nikolaus Berlakovich forderte die Koordinatorin die Einhaltung der international gegebenen Versprechungen. Die bis 12. Dezember im polnischen Posen tagende 14. UN-Klimakonferenz müsse sich auf "ein globales, gerechtes Kyoto-Nachfolgeabkommen" einigen. Die Kampagne "Klima fair ändern" stehe für die Reduktion der CO2-Emissionen der Industrieländer um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 ein und verlange finanzielle Unterstützung für Anpassungsmaßnahmen in den Entwicklungsländern.

 

Die Kampagne in Österreich ist Teil einer internationalen Kampagne von "CIDSE", dem europäischen Dachverband katholischer Entwicklungshilfeorganisationen. Im Lauf des kommenden Frühjahrs sollen - so Molitor-Ruckenbauer - öffentlichkeitswirksame Akzent in ganz Österreich gesetzt werden.

 

Uganda schon jetzt massiv betroffen

 

In Uganda und in Afrika sei der Klimawandel kein Mythos, sondern eine Tatsache, berichtete Paul Bateeze. Die Ernährung der halben ugandischen Bevölkerung sei nicht gesichert, so der Koordinator der Entwicklungsorganisation "JIDDECO" (Jinja Diocesan Coordinating Organisation), einer Partnerin der österreichischen Dreikönigsaktion. Durch den Temperaturanstieg komme es in Uganda auch zu einem "nie dagewesenen Anstieg von Malaria-Erkrankungen".

 

Bateeze forderte die Österreicher auf, "ihren Lebensstil und ihr Konsumverhalten zu verändern". Nach Angaben der UNO produziere jeder Österreicher im Durchschnitt jährlich 11.000 Kilogramm Kohlendioxid, kritisierte Bateeze - deutlich mehr als 100 Menschen in Uganda. "Wir alle sind Bewohner eines globalen Dorfes, was auf der einen Seite des Dorfs passiert, beeinflusst auch die anderen Teile", so Bateeze.

 

Nach der Pressekonferenz läuteten die fünf Glocken des Stephansdoms, um - wie Dompfarrer bei einem Gebet vor dem Singertor sagte - die Menschen um "5 vor 12" zu "wecken" und zum Überdenken des eigenen Lebensstils zu motivieren.

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