Druckansicht - Samstag 21. Oktober 2017
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Kirchliche Umweltbeauftragte: Gott ist Schöpfer und Erhalter des Lebens

Die Umweltbeauftragten der katholischen Kirche distanzieren sich von der vereinfachenden Aussage, dass Naturkatastrophen Strafe Gottes seien, und verweisen in diesem Zusammenhang auf die lange Tradition der katholischen Theologie und Mystik.



Der designierte neue Weihbischof von Linz, Gerhard Maria Wagner, hat mit seinen Aussagen über Naturkatastrophen als Strafe Gottes auch innerkirchlich für Kritik gesorgt. Bordelle und Abtreibungskliniken wären der Grund für den Sturm „Katrina“ in New Orleans gewesen, so Wagner.

Die Bibel kennt in speziellen Einzelfällen einen Tun-Ergehen-Zusammenhang zwischen Naturkatastrophen und dem Wirken Gottes. Es befindet aber nicht der Mensch darüber, welche Naturkatastrophe unmittelbar ein Gericht Gottes ist. Wer es dennoch wagt – so die Heilige Schrift- setzt sich an Gottes Stelle.

 

Jesus kritisierte Denkweise, dass unerklärliche Naturvorgänge mit dem Verhalten der Menschen ursächlich zusammenhängen
Bei den Aussagen Wagners handelt es sich vielmehr um eine in der Volksfrömmigkeit verbreitete Meinung, dass alle unerklärlichen und grausamen Naturvorgänge mit dem moralischen Verhalten der Menschen wirkursächlich zusammenhängen. Jesus selbst hat diese Denkweise hinterfragt und kritisiert, weil sie letztlich zu einer Dämonisierung der Schöpfung und zu einem verzerrten Gottesbild führt.

 

Gott ist der Schöpfer und Erhalter des Lebens
Die kirchlichen Umweltbeauftragten verweisen in diesem Zusammenhang auf die Schriftstelle im Alten Testament wo es heißt: „Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen. Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.“ Gott ist in erster Linie der Schöpfer und Erhalter des Lebens und kein willkürlich handelnder Rachegott.

Sensibilität, wo Menschen Gefahren und Gesetze der Natur herausfordern
In diesem Zusammenhang gilt es gerade heute genau hinzusehen, wo Menschen bewusst Gefahren und Gesetze der Natur herausfordern (Lawinen, überhöhte Geschwindigkeit im Straßenverkehr,…) oder wo durch kollektives menschliche Handeln ökologische Kreisläufe zerstört und sensible Systeme durcheinander geraten.

 

Klimaerwärmung von Menschen verursacht
So sind die weltweit zunehmenden Sturmereignisse unzweifelhaft eine Folge der Klimaerwärmung, die zu einem großen Teil von Menschen verursacht wird. Genau darin liegt ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Hurrikan Katrina und dem menschlichen Umgang mit der Schöpfung und nicht in der Existenz von „Bordellen in New Orleans“, so Ernst Sandriesser, Sprecher der Konferenz der Kirchlichen Umweltbeauftragten.

 

Gott hat die Erde zum Wohnen gemacht
Die globale Umweltkrise ist sicher zu einem großen Teil die Folge einer „Innenweltkrise des Menschen“. Deshalb sind gerade Umweltkatastrophen keine Strafe Gottes, sondern eher eine Selbstbestrafung des Menschen durch fahrlässiges und nicht zukunftsfähiges Handeln. Gott hat die Erde „nicht als Wüste geschaffen, er hat sie zum Wohnen gemacht.“, so der Prophet Jesaja.

An den Folgen der Treibhausgasemissionen der Industrieländer und den damit verbundenen Sturmereignissen, Wüstenbildungen u.a. leiden gerade die Ärmsten der Armen. Deshalb engagieren sich die kirchlichen Umweltbeauftragten und die kirchlichen Entwicklungsorganisationen u. a. in der Kampagne „Klimagerechtigkeit“ (www.klimafairbessern.koo.at) sowie in der österreichweiten Aktion „Autofasten“ (www.autofasten.at), um auf diese Verantwortung hinzuweisen.

Konferenz der Umweltbeauftragten der katholischen Kirche Österreichs
Mag. Ernst Sandriesser, Sprecher der Konferenz

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